Das Geheimnis des Präfekten, Kapitel 13

Besonders genau nimmt er die Planetendarstellung unter die Lupe.

„Das kommt mir bekannt vor“, sagt er und versinkt in tiefes Nachdenken.
„Erst kürzlich habe ich das irgendwo gesehen, ich kann es nur im Moment nicht einordnen“.

Ich gieße uns noch zwei Gläser ein. Wir betrachten den Fluss, dessen Farbe immer dann zwischen Smaragdgrün und Türkis wechselt, wenn sich Wolken zwischen die Sonne und uns schieben.

„Komm doch heute Abend bei uns zum Essen vorbei, Julie würde sich sehr freuen“, sagt Jacques ganz unvermittelt, „vielleicht kocht sie ja ihr berühmtes Châteaubriand, oder wir lassen und etwas kommen“.

Eine verlockende Einladung. Jacques und Julie sind schon lange ein Paar. Sie haben sich vor langer Zeit während des Studiums kennengelernt, waren sofort verliebt und haben schnell geheiratet. Julie spielt ausgezeichnet Klavier, sogar die Impromptus von Schubert.

Trotz einiger Schwierigkeiten hält ihre Ehe bis heute. Sie verstehen sich auf einer Ebene, die nur die Paare kennen, die schon so lange zusammen sind, dass sie instinktiv merken,  was der andere gerade fühlt. Das funktioniert nicht immer, weil jeder seinen eigenen Kompass im Kopf trägt, im Zweifelsfall zeigt der die richtige Richtung und nicht der des Partners.

Ich überlege nicht lange und antworte freudig:
„Ich komme gerne, immer noch die alte Adresse?“

über den Autor

Mathias Guthmann

Mathias Guthmann schreibt für kulinarische und literarische Zeitschriften und den Schachsport.
Seine Essays und Kurzgeschichten, Kritiken und Interviews haben eine hohe Reichweite und werden in verschiedensten Fachmagazinen, auch international, publiziert.

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